Woran erkennt man Eisenmangel und was passiert, wenn er unbehandelt bleibt?
Mögliche Symptome, die bei einem Eisenmangel auftreten:1
- Kopf: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen, Schwindel, Depressionen 2,3
- Herz: spürbarer Herzschlag (Palpitationen), schneller Herzschlag2,3
- Atemwege: Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung3
- Magen und Darm: Durchfall, Verstopfung, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Appetitlosigkeit2,3
- Sexualorgane: Menstruationsprobleme, Impotenz beim Mann, vermindertes sexuelles Interesse2,3
- Nägel, Haare, Mund: Vermehrte Brüchigkeit der Fingernägel und Haare, Mundwinkelrhagaden
- Kreislaufsystem: Kribbeln in Beinen, Händen oder Füßen; Blässe; niedrige Körpertemperatur2,3
- Sonstige: Erschöpfungszustände, Müdigkeit, eingeschränkte körperliche Belastungsfähigkeit, Schwäche, verminderte Abwehrkräfte gegenüber Krankheit und Infektionen (geschwächtes Immunsystem), vermehrt auftretende Infekte2,3
Die Symptome können sich auch auf den Alltag auswirken und mit einer reduzierten Belastbarkeit, Einschränkungen im Beruf, Haushalt oder Sozialleben einhergehen. Aufgrund unspezifischer Symptome kann ein Eisenmangel lange unentdeckt bleiben.
Eisenmangel wird abhängig vom Schweregrad in drei Stadien unterteilt:4
Stadium I: Speichereisenmangel
Wenn der Körper über längere Zeit mehr Eisen verbraucht, als er aufnimmt, kommt es zunächst zu einem Speichereisenmangel. Dabei sind die Eisenspeicher reduziert, aber es ist noch genug Eisen vorhanden, um rote Blutkörperchen normal zu bilden (Erythropoese).
Stadium II: Eisendefizitäre Erythropoese
In Stadium II reicht das im Körper vorhandene Eisen für die Blutbildung im Knochenmark (Erythropoese) nicht mehr vollständig aus, daher spricht man von einer eisendefizitären Erythropoese. Trotzdem ist der Hämoglobinwert im Blut noch im Normbereich.
Stadium III: Eisenmangelanämie
Sinkt schließlich auch der Hämoglobinwert unter den Normbereich, spricht man von einer Eisenmangelanämie.
Wie wird ein Eisenmangel festgestellt?
Bei Verdacht auf Eisenmangel sollte zunächst der Arzt oder die Ärztin aufgesucht werden. In der Praxis wird den Patient:innen Blut abgenommen und im Labor untersucht. Die Ergebnisse liegen dann in der Regel nach etwa einer Woche vor.
Zeigt den aktuell im Blut zirkulierenden Eisenwert; starke Schwankungen durch Tageszeit, Nahrung und Entzündungen, daher nur geringe Aussagekraft allein
Zeigt die Eisenspeicher des Körpers an; wichtigster Parameter zur Beurteilung eines Eisenmangels
Transportprotein für Eisen im Blut; bei Eisenmangel steigt die Transferrinproduktion an
Zeigt, wie viel Prozent des Transferrins mit Eisen beladen sind; wichtiger Parameter für das aktuell verfügbare Eisen
Zeigt die Menge des roten Blutfarbstoffs an; wichtig zur Beurteilung einer Anämie, aber kein direkter Speicherparameter für Eisen
Entzündungsmarker; kein direkter Eisenmarker, aber wichtig zur Interpretation, da Entzündungen insbesondere den Ferritin-Spiegel erhöhen können
Beschreibt die durchschnittliche Größe (Mean Corpuscular Volume = mittleres korpuskuläres Volumen) der roten Blutkörperchen; bei Eisenmangel meist erniedrigt (mikrozytär)
Beschreibt den Hämoglobingehalt pro roter Blutzelle (Mean Corpuscular Hemoglobin = mittlerer korpuskulärer Hämoglobingehalt); bei Eisenmangel meist erniedrigt (hypochrom)
Meistens werden mehrere Blutwerte untersucht, da kein einzelner Wert allein sicher zeigt, wie gut der Körper mit Eisen versorgt ist.
Wenn ein Eisenmangel festgestellt wurde, ist es wichtig, anschließend die Ursache des Eisenmangels abzuklären und gezielt zu behandeln.
Welche Personengruppen sind besonders häufig betroffen?
Während des Wachstums steigt der Eisenbedarf deutlich an, da der Körper mehr Blut und Gewebe bildet.
Durch regelmäßige Blutverluste verliert der Körper auch Eisen. Bei starken oder verlängerten Monatsblutungen können sich die Eisenspeicher schleichend entleeren, ohne dass der Eisenmangel zunächst erkannt wird. Zur Behandlung gehört neben einer gezielten Eisensubstitution auch die gynäkologische Abklärung der zugrunde liegenden Blutungsursache.
In der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf stark an, da zusätzlich das ungeborene Kind und die Plazenta versorgt werden müssen. Auch in der Stillzeit bleibt der Bedarf erhöht, da das Neugeborene seinen Eisenbedarf über die Muttermilch deckt. Ein Eisenmangel im frühen Kindesalter kann die Blutbildung, das Wachstum sowie die Entwicklung des Gehirns und Nervensystems beeinträchtigen. Engmaschige Kontrollen und eine frühzeitige Substitution, die an die Schwangerschaftsphasen angepasst wird, sind daher wichtig.
Mit zunehmendem Alter treten häufiger Erkrankungen, Entzündungen oder Mangelernährung auf, die den Eisenstoffwechsel beeinträchtigen können. Zudem wird Eisen aus der Nahrung oft schlechter aufgenommen. Symptome werden oft dem Alter zugeschrieben, daher ist eine sorgfältige Ursachenabklärung und eine individuell angepasste Behandlung wichtig.
Pflanzliche Lebensmittel enthalten überwiegend Nicht-Häm-Eisen, das schlechter aufgenommen wird als Eisen aus tierischen Quellen. Eine einseitige Ernährung kann deshalb das Risiko für Eisenmangel erhöhen. Es ist daher essenziell, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.
Bei Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa kann Eisen im Darm schlechter aufgenommen werden. Zusätzlich führen Entzündungen und mögliche Blutverluste im Darm häufig zu einem erhöhten Eisenbedarf. Bei aktiver Entzündung oder Unverträglichkeit oraler Präparate kann eine intravenöse Eisengabe erforderlich sein.
Bei Herzschwäche treten häufig chronische Entzündungsprozesse auf, die den Eisenstoffwechsel stören. Gleichzeitig kann Eisenmangel die körperliche Belastbarkeit und die Symptome der Herzinsuffizienz zusätzlich verschlechtern.
Die Nieren produzieren weniger Erythropoetin, ein Hormon für die Blutbildung. Gleichzeitig geht bei Dialysebehandlungen oft Blut verloren, wodurch ein Eisenmangel begünstigt wird.
Tumorerkrankungen und deren Therapien können Entzündungen, Blutverluste oder eine verminderte Blutbildung verursachen. Außerdem beeinträchtigen viele Krebserkrankungen den Appetit und die Nährstoffaufnahme, wodurch Eisenmangel häufiger auftritt.
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Kakhlon O, Cabantchik ZI. The labile iron pool: characterization, measurement, and participation in cellular processes(1). Free Radic Biol Med 2002;33(8):1037–46.
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Hastka J, Methgeroth G, Gattermann N. Onkopedia-Leitlinie „Eisenmangel und Eisenmangelanämie“. Stand: April 2025.